Die Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren ist beendet!

Wie geht es weiter?

Pressemitteilung vom 02.08.2022

Mitte Juli 2021  haben wir Anwohner*innen am Wilhelm-Leuschner-Platz mit Unterstützung der ÖDP Sachsen, dem NABU Regionalverband Leipzig, der Tierschutzpartei, dem NuKLA e.V., der BUND Regionalgruppe Leipzig und weiteren Verbänden, die sich für Klima-, Natur-, Umwelt- und Artenschutz einsetzen ein Bürgerbegehren zur klimagerechten Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes auf den Weg gebracht. Grund dafür war die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 392 „Wilhelm-Leuschner-Platz“ vom 18.05.2021, der die gesamte Rodung des wertvollen Baum- und Strauchbestandes auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz vorsieht!
Unser Ziel war und ist es immer noch, den Baum- und Strauchbestand auf dem Areal zu erhalten! Wir streben eine Bebauung mit verringerten Grundflächen, Änderung der Gebäudehöhen, den Verzicht auf eine überdimensionierte Markthalle und auf hochpreisige Wohn- und Gewerbeflächen für den Erhalt von wertvoller Stadtnatur an!
Durch den Erhalt des Baumbestandes mit bis zu 100 Jahre alten Bäumen und strukturreichen Sträuchern und dem gleichzeitigen Verzicht auf großflächige Neuversiegelung von Wiesenfläche könnten wichtige Brut- und Nahrungsstätten erhalten bleiben. Denn auf dem für die Bebauung vorgesehenen Wilhelm-Leuschner-Platz brüten überdurchschnittlich viele geschützte und zum Teil gefährdete Brutvogelarten, zu denen auch der Grünspecht gehört. Des Weiteren ist der Grünbestand Teil einer wichtigen Grünverbindung und dient damit auch als Frisch- und Kaltluftschneise zur Belüftung und Abkühlung der Innenstadt Leipzigs. Die Bäume als auch der noch vorhandene Vogelgesang sind wesentlich für Erholung und Gesunderhaltung der Anwohner*innen! Aber auch in der Innenstadt beschäftigte Leipziger*innen profitieren von diesen Ökosystemdienstleistungen.
Mit dem Wissen über den fortschreitenden Klimawandel und die zunehmende Hitzebelastung in Leipzig, die kürzlich in der Stadtklimaanalyse für Leipzig thematisiert wurde https://www.leipzig.de/umwelt-und-verkehr/energie-und-klima/stadtklima
müssen wir sofort den vorhandenen Grünbestand im gesamten Stadtgebiet erhalten und zusätzlich erweitern und entwickeln.  
Trotz großem Engagement vieler Beteiligter über ein Jahr hinweg, konnte leider nicht die erforderliche Anzahl von 25.000 Unterschriften erreicht werden. Doch tausende Unterschriften von Leipziger*innen zeigen sehr wohl, wie richtig und wichtig die Forderungen unseres Bürgerbegehrens sind. Die vorliegende Planung und die vorgesehene Fällung aller Bäume auf diesem Platz mitten in der Stadt ist angesichts von Klimakrise und Dürre ein Angriff auf das Gemeinwohl und unwürdig Leipzigs, die den Titel „Stadt der biologischen Vielfalt“ trägt.
Mit freundlichen Grüßen vom Leuschnerplatz
Grit Müller, Anwohnerin und Mitglied der Initiative für Leipzigs Stadtnatur
Dr. Karolin Tischer, Mitglied der Initiative für Leipzigs Stadtnatur
Wiebke Engelsing, Mitglied der Initiative für Leipzigs Stadtnatur
Harald Vauk, Mitinitiator des Bürgerbegehrens
Julia Gutjahr, Anwohnerin
Prof. Dr. Jan Röhnert
Antje Kammermeier, Mitglied der Initiative für Leipzigs Stadtnatur
Oliver Löffler, Mitglied der Initiative für Leipzigs Stadtnatur
Sowie weitere Anwohner*innen
Leipzig, 02.08.2022

Pressemitteilung vom 14.02.2022

Der Platz der biologischen Vielfalt mit seinen 17 Brutvogelarten wird gerade zerstört – Das letzte Juwel in der Innenstadt wird bald verschwunden sein! 

Es ist ein Schlag ins Gesicht für uns Leipziger*innen und für die Naturschutz- und Umweltverbände in Leipzig! Anfang Februar diesen Jahres wurde der Eilantrag des NABU Sachsen gegen die durch die Stadtverwaltung genehmigten Rodungen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz durch das Verwaltungsgericht abgelehnt.
Bei der Fläche handelt es sich um das unversiegelte mit 48 Gehölzen bewachsene Wiesendreieck zwischen Brüder-, Windmühlen-und Grünewaldstraße. Dieser Teil des Leuschnerplatzes dient im Zusammenhang mit dem restlichen Baum- und Strauchbestand als Kaltluftschneise in die Innenstadt und ist gleichermaßen zur Regenwasserrückgewinnung wichtig auf dem ansonsten im östlichen Teil versiegelten Platz. Dieser Bereich ist im Landschaftsplan der Stadt als „Grünfläche“ ausgewiesen.
Im Januar vor einem Jahr sollte an gleicher Stelle auf dem Leuschnerplatz bereits schon einmal gerodet werden. Nur durch das beherzte Einschreiten und ein entsprechendes Widerspruchsverfahren des NABU konnte damals Schlimmeres verhindert werden. Nun ist das Schicksal dieser Teilfläche des Leuschnerplatzes besiegelt und wieder einmal fällt der Klima- und Artenschutz dabei hinten runter! Denn der Bauboom in Leipzig führt zum immer schnelleren Verlust von Grünflächen. Allein in der Zeit von 2016 bis Ende 2019 konnte der NABU Leipzig den Verlust von 300 Grünflächen verzeichnen und damit zeigen, dass Leipzig schrumpft, jedenfalls was seine Grünflächen angeht. Mehr Infos dazu unter:
https://www.nabu-leipzig.de/stellungnahmen/leipzig-schrumpft/
Der wahre Verlust wird jedoch weitaus höher liegen, da die Erfassung rein ehrenamtlich stattfand. 
Letzte Woche Freitag, am 11. Februar, rasselten dann erneut die Kettensägen auf der Dreiecksfläche und machten den Platz endgültig für das Institut für Länderkunde frei. Der Chef des Instituts hatte noch beteuert er wolle den Vögeln etwas bieten mit Nistkästen und Dachbegrünung. Dabei wissen wir doch, dass es auch Nahrungshabitate in der Nähe braucht und die Lebensstätten der bis zu hundert Jahre alte Bäume und der wertvollen Strauchgruppen nicht so einfach ersetzt werden können. 
Es wird also gerodet und dass obwohl das Amt für Umweltschutz bekanntgegeben hat, dass die Vögel vom Leuschnerplatz keine Ausweichmöglichkeiten in der Umgebung mehr haben. Dennoch wurde der Eilantrag vom Verwaltungsgericht unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass die Vögel in die Umgebung ausweichen können. Da fehlen einem die Worte. Recht zu bekommen und Recht haben sind eben doch zwei verschiedene Paar Schuhe, besonders im Umweltschutz. Seit einem Jahr kämpfen viele Leipziger Bürger*innen Seite an Seite mit verschiedenen Verbänden, die sich wiederum seit Jahren am Leuschnerplatz für Klima-, Natur-, Umwelt-und Artenschutz einsetzen, gegen die geplanten Rodungen und den vorliegenden Bebauungsplan Nr. 392 auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz. 
Genauer gesagt, am 14.07.2021 haben wir Anwohner*innen am Wilhelm-Leuschner-Platz ein Bürgerbegehren zur klimagerechten Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes ausgerufen. Damit setzen wir uns für den Erhalt des alten Baum- und Strauchbestandes im östlichen Teil des Platzes ein. Die Lebensstätten der vielen Strauchbrüter aber auch deren überlebenswichtigen Wanderkorridore zwischen Brutplatz und Nahrungssuche blieben erhalten. 

Wir schlagen vor, nur zwei der drei geplanten Baufelder zu bebauen und dabei die Grundflächen der geplanten Gebäude zu verringern, die Höhe der Bauweise zu verändern, auf Geschäfts- und Gewerberäume zu verzichten, um damit Platz für z. B. das Global Hub, den sozialen Wohnungsbau und das Leibniz-Institut für Länderkunde (IFL) zu schaffen. 

Durch die Verlagerung des IFL auf die nördlicheren Baufelder könnte sogar die Grünfläche in dem Dreieck zwischen Brüder- ,Windmühlen- und Grünewaldstraße erhalten bleiben und damit ein wichtiges Nahrungshabitat für viele Insekten und 17 Brutvogelarten (die auf dem Leuschnerplatz brüten und ihre Jungen aufziehen) darunter auch der streng geschützte Grünspecht. 
Schattenspendende Bäume, die die Umgebung kühlen und nachweislich auch den Lärmpegel senken und Grünflächen, die Erholung bieten sind sowohl für uns Anwohner*innen als auch für die Leipziger*innen in der gesamten Stadt essentiell für das Wohlbefinden und die Gesundheit. 

Die Stadt hat den Klimanotstand ausgerufen und bezeichnet sich als Stadt der biologischen Vielfalt. Leider handelt sie nicht danach. 

Wir müssen jetzt an den Klimaschutz denken und unsere Städte entsprechend planen, verändern und bauen. Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz heißt das speziell Verringerung der versiegelten Flächen zum Schutz vor Überschwemmungen, für Grundwasserneubildung, Verringerung von Luftschadstoffen, den Erhalt von Frischluft- und Kaltluftntstehungsflächen, einer Kaltluftschneise zur Belüftung der Innenstadt und zur Temperatursenkung. 

Um dies alles zu erreichen haben wir unser Bürgerbegehren gestartet und an vielen Stellen Leipzigs, wie z.B. in Geschäften und Cafés, Listen ausgelegt. Um das Bürgerbegehren zu unterstützen bitten wir alle Einwohner*innen von Leipzig zu unterzeichnen. Auf unserer Homepage 


www.buergerbegehren-leuschnerplatz-leipzig.jimdosite.com 




kann sich Jede und Jeder über einen Link das Unterschriftenblatt ausdrucken und selbst Unterschriften sammeln. Außerdem findet man auf der Seite auch eine Liste der Geschäfte, Kneipen und Cafés, in denen Unterschriftenblätter ausliegen. Ziel sind mindestens 25.000 Unterschriften. Wir haben bereits über 5000 Unterschriften gesammelt. 

Außerdem sind wir noch auf der Suche nach Multiplikatoren, die das Bürgerbegehren in der Öffentlichkeit bekanntmachen und damit helfen Unterschriften zu sammeln. Bei Interesse melden Sie sich über das auf der Homepage angegebene Kontaktformular bei uns. 

Nur mit einem Bürgerbegehren lässt sich die massive Bebauung und Rodung der Gehölze auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz noch aufhalten. Dieser Platz mitten in Leipzig steht auch stellvertretend für viele andere Baumbestände in der Stadt, die für eine nicht mehr zeitgemäße Stadtentwicklung überplant und gerodet werden. Es stellt sich jetzt die Frage, wie wir hier in Leipzig leben wollen. 

Mit freundlichen Grüßen 

Grit Müller 

Leipzig, 14.02.2022

Offener Brief der Anwohner*innen an den Stadtrat


Betreff: Offener Brief der Anwohner des Wilhelm-Leuschner-Platzes in Leipzig zum aktuellen Bebauungsplan 




Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung, 
sehr geehrter Herr Rosenthal, 
sehr geehrter Herr Dienberg, 
sehr geehrte Damen und Herren Stadträte, 
als Leipzigerinnen und Leipziger rings um den Wilhelm-Leuschner-Platz verfolgen wir die Entwicklung dieser grünen Insel mit äußerster Sorge. Wir wissen nicht nur um die enorme Bedeutung des „Platzes der biologischen Vielfalt“, sondern kennen die 17 (in Worten: siebzehn) z. T. streng geschützten Vogelarten, die dort leben und die schattenspendenden Bäume, durch die trotz hohen Verkehrsaufkommens in Ringnähe der Lärmpegel gemindert wird.
In der aktuellen Diskussion um den Klima-und Umweltschutz wird der vom Stadtrat verabschiedete Bebauungsplan ein Schlag ins Gesicht aller Bürgerinnen und Bürger sein, denen nachhaltiges Handeln und biologische Vielfalt ein Anliegen sind. Erfahrungen mit anderen Bauprojekten der Stadt Leipzig haben gezeigt, dass die praktizierte Art der Bebauung den gänzlichen Verlust an Lebensraum für Flora und Fauna zur Folge hat – in unmittelbarer Nähe des Leuschner-Platzes betrifft das etwa die Goldschmidtstraße 6–10, den Platz um St. Trinitatis, die Sternwartenstraße (Parkrodung) und selbst der auf den ersten Blick grün wirkende Addis-Abeba-Platz ist durch eine für eine Vogelbesiedelung ungeeignete Bepflanzung ökologisch wertlos.
Dabei gäbe es praktikable Alternativen. Um eine möglichst naturverträgliche Nutzung zu erreichen, hat der NABU Leipzig seit Beginn der Planungen für den Wilhelm-Leuschner-Platz seine Zusammenarbeit angeboten und dem Städtebau-und Umweltamt ausführliche Dokumentationen vorgelegt. Naturverträglich heißt dabei einerseits Bebauung, andererseits Hecken und Bäume sowie offene Blühflächen und sandige Stellen für Insekten, Vögel usw. einzurichten bzw. zu bewahren – ein echtes Biotop also zuzulassen. 

Über die Art und Weise der Bebauung des Grundstücks am Wilhelm-Leuschner-Platz entscheiden Sie am 24. März 2021. Fällt das Votum gegen biologische Vielfalt und Naturschutz aus, käme das einem Widerruf Ihrer Verpflichtung zu nachhaltiger Stadtentwicklung gleich, und zwar aus folgenden Gründen:

Vernachlässigung des Leipziger Klima-und Umweltschutzes, denn jede Versiegelung durch Bebauung mit Gebäuden hat fatale Folgen: mehr Schadstoffe in der Luft, Temperaturerhöhung, Grundwasserreduzierung, Erhöhung der Überschwemmungsgefahr und höhere Lärmpegel sowie langfristig und dauerhaft den unumkehrbaren Verlust der natürlichen Bodenfunktion, Zerstörung der Lebensgrundlage und des Lebensraums für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Vernachlässigung des Wohlbefindens der Leipziger Bürgerinnen und Bürger, denn prinzipiell vermindert jede Bebauung die m2-Zahl an Grünfläche pro Kopf, gleichzeitig erfordert die steigende Einwohnerzahl ein Mehr (und nicht weniger) an Grünflächen. 

Störung des Vertrauens in die Gestaltungs-und Problemlösungskompetenz der Kommunalpolitik, denn Sie betonten selbst, wie bedeutsam der Naturhaushalt, das Klima, der Arten-und Biotopschutz sowie die Erholung seien: Sie riefen den Klimanotstand aus (2019); veranstalteten Naturschutzwochen mit Themen wie „Insektenvielfalt vor unserer Haustür“ (2019), „Biologische Vielfalt in der Stadt“ (2017) oder „Wilde Orte – Wildnis in der Stadt“ (2015); seit 2010 sind Sie im Bündnis „Kommune der biologischen Vielfalt“. Seit 2017 rühmt sich die Stadt Leipzig sogar, Mitglied im Biostädte Netzwerk zu sein! 
Sie entscheiden am 24. März mit darüber, ob diese Bekundungen das Papier wert sind, auf dem sie festgehalten sind. Aktuell stehen sie im völligen Widerspruch zu Ihren Handlungen: am 20. Januar 2021 begann die Stadtverwaltung mit Baumrodungen auf dem Leuschner-Platz und vernichtete – ohne vorherige Prüfung durch Artenschutzgutachter – 500 Quadratmeter Fläche mit Sträuchern sowie mehr als ein Dutzend Bäume. Dieses Vorgehen lässt sich mit dem Gebot nach einem auch ökologisch reichhaltigen städtischen Lebensraum nicht vereinbaren. 

Daher fordern wir den Stadtrat auf, einen Bebauungsplan zu erlassen, der Folgendes enthält: 




  • Unbedingter Erhalt, Schutz und ggf. Neuschaffung intakter Lebensräume und Wanderungskorridore für das vorhandene Arteninventar, welches geschützt ist. 
  • Unbedingter Erhalt, Schutz und ggf. Neuschaffung klimawirksamer, lärm-und feinstaubbindender Strukturen wie Gehölze und Freiflächen, um die Gesundheit der Anwohner zu schützen und bei etwaiger Erkrankung den Heilungsprozess zu beschleunigen. 
  • Außerdem fordern wir einen ressourcenschonenden Flächenverbrauch, der sich vor allen Dingen in der vertikalen Richtung orientiert, d. h. die Grundfläche der geplanten Gebäude soll so reduziert werden, dass die umgebenden Bäume vollständig erhalten bleiben. 
  • Zu guter Letzt fordern wir ein autofreies Quartier und damit die Entsiegelung der vorhandenen Straßen (das sind Markthallen-und Brüderstraße), eine entsprechende Begrünung dieser Flächen mit Langgraswiesen und großen zusammenhängenden einheimischen Strauchgruppen. 


Mit freundlichen Grüßen 
Die Anwohner des Wilhelm-Leuschner-Platzes 

Anlagen: 

Zwei offene Briefe sowie ein Kinderprotest 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung, sehr geehrter Herr Rosenthal, sehr geehrter Herr Dienberg, sehr geehrte Damen und Herren Stadträte, 

ich schaue aus meinem Fenster in der Grünewaldstraße 15 und bin traurig und wütend. Wer hat diesen Frevel an der Natur in Auftrag gegeben und die Rodung von dem alten Baumbestand und Buschwerk auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz veranlasst? Und noch schlimmer ist, dass diese Aktion ohne Genehmigung durchgeführt wurde. Wer hat sich da strafbar gemacht, vor dem Gesetz und an der Natur? Ich kann es nicht fassen, wie zahlreiche Anwohner hier am Leuschnerplatz auch. 

Das bisschen Grün, was man uns hier noch nehmen will, ist für viele Menschen ein Lichtblick, wenn sie ihren Arbeitstag beenden. Dieses Grün beruhigt, muntert auf, macht gute Laune, kurz gesagt, es tut der Seele gut. 
Auf der Wiese wird in der Sonne gelegen und den Vögeln gelauscht, es wird Yoga gemacht, seit Jahren entstehen vor der grünen Kulisse unsere Familienfotos. Und so könnte jeder Anwohner hier Beispiele aufzählen, was diese Bäume, Sträucher, Wiesen und die Tierwelt für ihn Gutes bedeuten. 

Haben die Verantwortlichen mal daran gedacht, wie es sich anfühlt, wenn plötzlich der eigene Garten zerstört würde? Und damit nicht genug! Was würden Sie sagen, wenn man Ihnen Ihr Heim; Ihre Wohnung, Ihr Haus wegnimmt? So fühlen wir Anwohner uns jetzt und so ergeht es den Tieren, die hier leben; den Vögel und den Kleinlebewesen! 

Ich bin in Leipzig geboren und aufgewachsen und ich hatte nie das Gefühl diese Stadt verlassen zu müssen. Für mich war Leipzig immer nicht zu groß und nicht zu klein, viel Natur und Natürliches, Flüsse, Seen, Parks, vielfältige Architektur, umfangreiches Kulturangebot, eine Universität, Arbeitsmöglichkeiten – eine schöne und charmante Stadt. Doch dieser Charme, den wir Leipziger so lieben und der auch von Reisenden in und durch unsere Stadt so geschätzt wird, geht nun langsam verloren. 
Das Grün verschwindet und alles wird zubetoniert, dadurch verschlechtert sich die Luft und die Staubbelastung nimmt zu. Die natürliche Belüftung fehlt, im Sommer wird es heißer - man hat das Gefühl, die Stadt atmet nicht mehr richtig. Auch die Tiere verschwinden, man hört keine Vögel, man sieht keine Insekten mehr – wie traurig ist das. 

Ich verlange von Ihnen den aktuellen Bebauungsplan zu ändern, sodass der alte Baumbestand, die Hecken und das Wiesenstück zwischen Grünewaldstraße und Windmühlenstraße erhalten bleiben. 

Mit freundlichen Grüßen 

Grit Müller, Grünewaldstraße 15 

Leipzig, 28.02.2021 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Ich wohne seit 21 Jahren in der Grünwaldstraße und beobachte mit Sorge besonders in den letzten 4 Jahren eine zunehmende Vernichtung von Grünflächen sowie Baumrodungen zugunsten von Gebäuden in unserer unmittelbaren Umgebung, angefangen in der Sternwartenstraße, Brüderstraße (Addis Abeba Platz), Hinterland Windmühlenstraße zu beiden Seiten, Großbaustelle Bayrischer Bahnhof-Kohlenstraße und nun der Leuschnerplatz, mit einem Baumbestand von über 150 Bäume (ab einem Durchmesser von 20 cm) sowie unzähligen Büschen und kleineren Bäume, die noch gut 50 Jahre wachsen könnten und unsagbar wichtig für das Klima der inneren Stadt, der Arterhaltung von Vögeln, Kleintieren sowie Insekten sind und nicht zuletzt dem menschlichen Wohlergehen dienen! 
Und besonders der westliche dreieckige unversiegelte Abschnitt vom Leuschnerplatz fällt ihren Rodungen zuallererst zum Opfer! Hier wird im Sommer gespielt, gegrillt, Sport getrieben, hier können Stadthunde Auslauf erleben... bei schönem Wetter sind unsere Parks in der Umgebung total überlaufen... aber Leipzig soll ja grüner werden... das sollten Sie mal beweisen, wir sind für eine Änderung des Bebauungsplanes auf dem Leuschnerplatz! 

Julia Gutjahr 

Anwohnerin 

Leipzig, 07.03.2021